Kaum ein anderes Thema wird derzeit so emotional diskutiert wie Drohnen. Ob Medienberichte über unerlaubte Flüge an Flughäfen, sicherheitspolitische Debatten oder die militärische Nutzung unbemannter Systeme in Krisengebieten – häufig entsteht der Eindruck, zivile Drohnen würden zunehmend zu einem der größten Sicherheitsrisiken im europäischen Luftverkehr.
Der jetzt veröffentlichte Annual Safety Recommendations Review 2026 der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) zeichnet jedoch ein deutlich differenzierteres Bild.
Sicherheit basiert auf Fakten
Der Bericht dokumentiert alle Sicherheitsempfehlungen, die nationale Flugunfalluntersuchungsstellen im Jahr 2025 an die EASA gerichtet haben.
Insgesamt wurden
- 39 Safety Recommendations
- aus 20 untersuchten Ereignissen
- (13 Unfälle, 5 schwere Störungen und 2 sonstige Vorfälle)
an die EASA übermittelt.
Der bemerkenswerteste Satz für die gesamte UAS-Branche findet sich dabei fast unscheinbar am Ende des Statistik-Kapitels:
“In 2025, no safety recommendations pertaining to UAVs were addressed to EASA.”
Mit anderen Worten:
Im gesamten Jahr 2025 wurde keine einzige formelle Sicherheitsempfehlung aus einer Unfall- oder Störungsuntersuchung an die EASA ausgesprochen, die unbemannte Luftfahrzeuge (UAS/UAV) betraf.
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Was bedeutet das?
Zunächst einmal: Mehr, als viele vermuten würden.
Aber ebenso wichtig: Nicht mehr, als tatsächlich im Bericht steht.
Der Bericht ist keine Statistik aller Drohnenvorfälle in Europa.
Er sagt auch nicht, dass es keine Zwischenfälle mit Drohnen gegeben habe.
Und selbstverständlich bedeutet dies ebenfalls nicht, dass Drohnen grundsätzlich ungefährlich wären.
Der Bericht dokumentiert ausschließlich die förmlichen Sicherheitsempfehlungen, welche die europäischen und internationalen Unfalluntersuchungsstellen nach Abschluss ihrer Untersuchungen an die EASA ausgesprochen haben.
Gerade deshalb besitzt diese Aussage jedoch ein erhebliches Gewicht.

Die wirklichen Schwerpunkte liegen ganz woanders
Die Empfehlungen konzentrieren sich vielmehr auf klassische Themen der bemannten Luftfahrt.
Über die Hälfte aller Empfehlungen entfielen auf
- Luftfahrzeuge,
- technische Systeme,
- Ausrüstung,
- Lufttüchtigkeit und Konstruktion.
Ein weiteres Drittel beschäftigte sich mit
- Verfahren,
- Betriebsregelungen,
- Checklisten,
- Human Factors,
- Ausbildung und Betriebsvorschriften.
Dazu gehören beispielsweise:
- Triebwerkszuverlässigkeit
- Flugsteuerungen
- Cockpit-Brandschutz
- Sauerstoffsysteme
- Alternde Flugzeugflotten
- Pilotengesundheit
- Flugvorbereitung
- Sicherheitskampagnen für die Allgemeine Luftfahrt.
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Regulierung folgt dem Risiko
Besonders interessant ist dabei der methodische Ansatz der EASA.
Der Bericht macht deutlich, dass neue europäische Vorschriften heute nicht aufgrund einzelner spektakulärer Ereignisse entstehen, sondern auf Basis eines strukturierten Sicherheitsmanagements.
Dabei fließen unter anderem ein:
- European Plan for Aviation Safety (EPAS)
- Safety Risk Management
- Data4Safety
- Unfalluntersuchungen
- Safety Recommendations
- wissenschaftliche Risikoanalysen.
Dieser risikobasierte Ansatz gehört seit Jahren zu den Grundprinzipien der europäischen Luftfahrtregulierung.
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Ein wichtiger Unterschied
Gerade in der öffentlichen Diskussion werden häufig völlig unterschiedliche Sachverhalte miteinander vermischt.
Zwischen
- legal betriebenen Kameradrohnen,
- professionellen Vermessungsdrohnen,
- BOS-Einsätzen,
- landwirtschaftlichen Anwendungen,
- vorsätzlichem Missbrauch,
- kriminellen Handlungen
- und militärischen Drohnensystemen
bestehen erhebliche Unterschiede.
Der EASA-Bericht betrachtet ausschließlich den Bereich der zivilen Flugsicherheit.
Und dort ergibt sich aus den untersuchten Ereignissen des Jahres 2025 derzeit kein zusätzlicher Regelungsbedarf speziell für UAS, der in Form neuer Sicherheitsempfehlungen an die EASA adressiert worden wäre.
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Was bedeutet das für Drohnenpiloten?
Für Betreiber seriös eingesetzter Drohnen ist dies eine durchaus positive Nachricht.
Sie bestätigt, dass sich das bestehende europäische Regelwerk mit
- CE-Klassen,
- Betriebskategorien,
- Fernidentifikation,
- Kompetenznachweisen,
- Betriebsgenehmigungen,
- STS,
- SORA
- und den umfangreichen Sicherheitsanforderungen
offensichtlich auf einem hohen Sicherheitsniveau bewegt.
Das bedeutet keineswegs, dass keine Weiterentwicklungen notwendig wären.
Es zeigt jedoch, dass sich die Diskussion künftig weiterhin an nachweisbaren Risiken orientieren sollte.
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Position des BVCP
Der Bundesverband Copter Piloten begrüßt ausdrücklich den daten- und risikobasierten Ansatz der EASA.
Gerade in Zeiten einer oftmals emotional geführten Debatte über Drohnen ist es wichtig, zwischen
- objektiv nachgewiesenen Sicherheitsrisiken,
- vorsätzlichem Missbrauch
- und öffentlicher Wahrnehmung
zu unterscheiden.
Eine moderne Luftfahrtpolitik sollte sich nicht von Schlagzeilen leiten lassen, sondern von belastbaren Erkenntnissen aus Unfalluntersuchungen und Sicherheitsanalysen.
Genau dafür steht der europäische Safety-Management-Ansatz.
Offizielle Informationen zum jährlichen Sicherheitsbericht der EASA







